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Die ScheibenDoktor-History /von Dirk Wiechel

Verantwortung übernehmen, für ein Ergebnis einstehen, wenn es positiv gelaufen ist, aber genau so auch wenn es mal nicht nach den Vorstellungen meiner Chefs war. Das waren meine Ziele als ich, Dirk Wiechel, als gelernter Elektroinstallateur bei der Volkswagen Ag in einer Forschungsabteilung tätig war.

Genau dieses war jedoch in unserer Abteilung nicht gewünscht. Eigentlich hatte ich in der Position mit meiner Ausbildung eine Traumstellung. Ein gutes Gehalt, Gleitzeit und wenig Wochenarbeitsstunden. Ich musste mich nur zurück lehnen und auf die Rente warten. Aber genau das war nicht mein Ding. Ich wollte etwas anpacken, wollte etwas bewegen, wollte voran kommen. Mehrere Bewerbungen auf verantwortungsvollere Positionen in andere interne Abteilungen scheiterten an meiner Ausbildung.Franchise-System: Scheiben-Doktor

Nach Feierabend führte ich an meinem alten Fachwerkhaus eine Grundsanierung durch, kaufte alte Autos auf, brachte diese durch den TÜV und verkaufte sie wieder. Nebenbei begann ich nebenberuflich eine Technikerausbildung.

So konnte es nicht weiter gehen! Am Tag bei der Arbeit umgab mich Ruhe und Gelassenheit und nach Feierabend gab ich Vollgas. Trotzdem ging es beim Haus nicht richtig voran, und die Schule fiel mir auch alles andere als leicht. Ich musste etwas grundlegend ändern. Alle nebenberuflichen Tätigkeiten stellte ich ein. Es musste etwas anderes her und der Entschluss war gereift. Ich wollte mich selbstständig machen!

Nach ein paar Wochen kam ein Freund mit einem Artikel aus der „Geschäftsidee“ zu mir. Die damalige Zeitschrift für Existenzgründer. Hier war die Reparatur einer Windschutzscheibe nach einem, neuen aus Amerika kommenden Verfahren beschrieben. Das wäre doch bestimmt etwas für mich! Lange Rede kurzer Sinn: Ich wollte das probieren.

Ich fand jemanden, der einen solchen gebrauchten Reparaturkoffer verkaufen wollte. Mit Eintausendsechshundert DM ging ich nach Feierabend an den Start, um zu testen, ob das Geschäft für eine Vollexistenz taugt. Am Nachmittag marschierte ich zu Bekannten in Autohäuser und Speditionen, um mein neues Geschäft vorzustellen.

Nach nur ca. zwei Monaten war klar, das mache ich, aber nicht nebenberuflich. Ich kündigte meinen sicheren Job bei Volkswagen.

Die Ziele waren auch gleich klar: Mindestens das gleiche Geld wie bisher verdienen, im Sommer vier Wochen Urlaub mit dem Motorrad, um Länder wie Griechenland oder die Türkei komplett zu bereisen. Zur Absicherung der neuen Firma waren ein Vollzeit- und ein Teilzeitmitarbeiter notwendig.

Heute ist klar: Das musste schief gehen. Ich verdiene deutlich mehr Geld, habe momentan zweiundvierzig Mitarbeiter auf der Gehaltsliste und kann mich nicht erinnern, wann ich drei, geschweige vier Wochen in einem Stück in den Urlaub gefahren bin. Aber ich bin sicher, es gibt „Schlimmeres“.

So richtig sicher, ob das Geschäft genügend abwirft, war ich mir nicht und mein Freund suchte schon lange nach einem zweiten Standbein. Er beteiligte sich am Unternehmen und wollte mein erfahrener Berater sein. Ich ging meine neue Herausforderung energisch und mit viel Tatendrang an. Meinen Partner rief ich mehrmals täglich an, um ihm meine neuen Ideen mitzuteilen. So viel Unruhe in seinem Alltag konnte er nicht wirklich gebrauchen. Es dauerte nicht lange und er stieg aus und wollte sein Geld wieder haben, wenn es passt.

Sehr schön ist, dass wir noch heute befreundet sind. Mit meinem Reparaturkoffer unter dem Arm reiste ich von Autohaus zu Autohaus und bot meine Dienstleistung an. Es lief auch nicht schlecht, aber es wurmte mich, wenn aus technischen Gründen eine Reparatur mit meinem neuen Verfahren nicht möglich war. Da war doch diese kaputte Scheibe und der Kunde wollte die auch wieder in Ordnung haben. Also mussten jetzt auch neue Scheiben her. Ich machte einen Großhandel ausfindig, der mich auch beliefern wollte.

Ganz sicher war ich mir nicht, ob ich die nach relativ neuen Verfahren kraftschlüssig eingeklebten Scheiben auch wechseln kann. Ein Testfahrzeug musste her. Ich hatte auch schnell ein Opfer in meinem Freundeskreis gefunden und machte mich ans Werk. Technische Unterstützung erhielt ich von dem Angestellten einer Autoglaserei über das Telefon. Nebenbei bemerkt — dieser Angestellte wurde selbst Autoglaser und war viele Jahre als Einzelkämpfer in der Branche tätig, bevor er sich als Scheiben-Doktor meinem System erfolgreich anschloss.

Jetzt konnte ich Scheiben nicht nur reparieren, sondern auch austauschen. Nur die Kunden Franchise-System: Scheiben-Doktorwaren mir auf meinem ehemaligen Bauernhof viel zu wenig. Ich brauchte ein Objekt in der Stadt. Das war ohne Geld nicht so einfach. Also musste jetzt ordentlich die Werbetrommel gerührt werden. Wiederum ein Bekannter von mir war als Fotograf bei der Tageszeitung beschäftigt. Meine Bitte an ihn - er solle doch mal etwas über meine neue Firma, für die es noch keinen Namen gab, schreiben.

Es wurde ein Foto mit Kundenauto vor dem Scheunentor gemacht. Am nächsten Tag erschien das Foto mit der Überschrift: Scheibendoktor für Wolfsburg.

Ich wusste nicht, ob ich das witzig finden oder mich über die Verunglimpfung von meiner neuen beruflichen Existenz aufregen sollte. Mit meiner Entscheidung, es auf mich wirken zu lassen und Eindrücke und Meinungen abzuwarten, war ich gut beraten. Der Firmenname war gefunden. Danke an Lars. Natürlich wollte nicht jeder potentielle Kunde mit seiner defekten Scheibe auf meinen Bauernhof kommen. Ein alter Bekannter von mir hatte noch ein paar Garagen in der Stadt nicht vermietet. Die konnte ich haben und baute diese zu einer anständigen Hinterhofautoglaserei um. Nachts verlegte ich die Fliesen, auf denen am nächsten Morgen Scheiben repariert wurden. Die Eingangstür und das Schaufenster kaufte ich gebraucht aus den Kleinanzeigen. Weitere Fenster fand ich bei einem Fensterbauer auf dem Boden. Rechnungen wurden anfangs von Hand auf kopiertem selbst gestalteter Rechnungsbögen geschrieben. Weil es bei der Reparatur von Scheiben nicht so viele Positionen gab, wurden die Kosten optimiert, indem die Rechnung halbiert wurde. Also ein A5 anstatt A4 Format. Es musste ja gespart werden.

Über Unternehmertum wusste ich viel zu wenig. Ein Unternehmensberater bot monatliche Seminare für Existenzgründer an. Mal war es Marketing, mal Rechnungswesen oder Personalführung. Eines Tages sprach mich der Berater an: Was du machst finde ich klasse, das sollten wir franchisieren. Was sollten wir das? Franchisieren. Dein Unternehmenskonzept gegen Geld multiplizieren. Hier ist der Vertrag und neben dir steht der erste Franchisenehmer. Ich fragte mich, wie das denn wohl funktionieren soll? Ich hatte so ein Gefühl das da etwas dran sein könnte und so startete das Scheiben-Doktor Franchising. Gleich zwei Betriebe wurden 1991 eröffnet. Ich war von diesem Zeitpunkt mehr im Auto auf holperigen Straßen unterwegs und betreute meine beiden neuen Partner als das ich in meinem eigenen Geschäft in Wolfsburg zugegen war. Ich fuhr bis zu viermal die Woche nach Schönebeck und Stendal und dachte mir:“ Wie soll man mit Franchising jemals Geld verdienen, bei so einem irrsinnigen Aufwand.“ Aber die beiden neuen Scheiben-Doktor Autoglasereien funktionierten. Nach der Wende herrschte eine Aufbruchstimmung und die dadurch ausgelöste Mund zu Mund Propaganda brachte jedes Jahr weitere Betriebe hinzu (siehe Standorttabelle am Ende des Textes).In kleiner Runde saßen wir wöchentlich zusammen und tauschten unsere Gedanken und Strategien aus. Von einer Bündelung des Know-hows durch Handbücher waren wir zu dieser Zeit weit entfernt. Kurze Wege hieß die Devise — heute beschlossen und morgen umgesetzt.

Schon damals wurde mir klar — du musst dich vom restlichen Autoglasmarkt absetzen. Das Thema Marketing & CI nahm immer mehr Gestalt an. Unsere Eröffnungen wurden mit knallgelben Anzeigen und einem bunten Rahmenprogramm in den Zeitungen angekündigt. Die neuen Scheiben-Doktoren kauften sich gelbe Transporter, die dann mit dem Firmenlogo groß beschriftet wurden und überall in der Stadt den Namen transportierten.

Unsere kleine Franchise-Runde wurde mit steigender Zahl immer kreativer. Neue Ideen und Werbemaßnahmen entwickelten wir gemeinsam und setzten unser „Erlebnismarketing in gelb“ erfolgreich im Markt um.

Das Thema Filialisierung gehört zu einem weiteren — für mich wichtigen — Erfolgsfaktor. Warum nur ein Betrieb in Wolfsburg? 1994 bot sich die erste Filialisierung — quasi im Kreise meiner bestehenden Franchise-Partner in Magdeburg / Sachsen-Anhalt — an. Inzwischen sind Filialen in Hannover, Göttingen und Gifhorn hinzu gekommen.

Der Mitarbeiterstamm in der Buchhaltung, im Franchising und unserer eigenen Verkaufs- und Werkstatteinheit in Wolfsburg wuchs, so dass die angemieteten Räumlichkeiten schnell an die Grenzen ihrer Kapazität kamen.

Ich erwarb ein Grundstück in bester Lage und erbaute dort die „gläserne“ Scheiben-Doktor Systemzentrale. Diese wurde 1995 mit allen Partnern, Kunden, Lieferanten und Freunden des Unternehmens feierlich eingeweiht. Bis heute befindet sich dort der Anlaufpunkt für unsere Wolfsburger Kunden, die ihre Kfz-Scheibe beim Scheiben-Doktor reparieren, austauschen oder veredeln lassen möchten.

1998 verzeichnete Scheiben-Doktor 10 Franchise-Partner. Der nächste Schritt lag auf der Hand — das Wachstum des Systems musste forciert werden. Über Zeitungsanzeigen wurde damals die Suche nach motivierten Interessenten eingeleitet. Später sollten Messeauftritte — zunächst bei reinen Existenzgründermessen, später auch gezielt bei Kfz-Fachmessen, wo wir unsere Zielgruppe ansprechen - folgen. Der klassische Weg über die verschiedensten Internetportale und Fachpublikationen der Franchise-Wirtschaft für Existenzgründer durfte natürlich nicht fehlen.

Und manchmal ist es so einfach — aber man kommt nicht gleich drauf. Ich wurde bei einem Seminar darauf gestoßen — frei nach dem Motto: Tue Gutes und sprich darüber. Und in diesem Moment fällt es mir wie Scheuklappen von den Augen. Klar, in unseren speziellen Franchise-Unterlagen erfährt Verbraucher, dass man sich mit Scheiben-Doktor selbstständig machen kann. Aber was ist im Tagesgeschäft mit all den Artikeln und Drucksachen um uns herum?

Ab sofort war auf nahezu allen Drucksachen, sei es Rechnungs- und Geschäftspapier, Anzeigen, Flyern, Marketingartikeln oder Fahrzeugen — der Zusatz enthalten: Selbstständig mit Scheiben-Doktor!!!Und das wirkt — neben der Mund-zu-Mund-Propaganda sprachen uns die Interessenten auf unseren Text, den sie beim Autofahren an dem vorausfahrenden Scheiben-Doktor Fahrzeug gelesen hatten, an.

Wie sollte es sonst anders sein — die Zeiten verändern sich — auch im Franchise-Recht. Unsere ersten Franchise-Verträge hatten eine zwingende Modifizierung nötig. Die Rechte und Pflichten von Franchise-Nehmer und Franchise-Geber, der einheitliche Auftritt und vieles mehr musste konkreter geregelt werden. 2000 wurde der neue Vertrag im System präsentiert und Stück für Stück eingeführt. Dies hatte auch negative Folgen — lange Diskussionen bis zur Umstellung und letztendlich die Trennung von Partnern, die den neuen Weg nicht konsequent und einheitlich mitgehen möchten.

Das Wachstum läuft Anfang 2000 erst „schleppend“ an — was zum Teil auch an einer internen Strukturierungsphase liegen mag. Das Know-how, welches bisher weiterhin in monatlichen Meetings und massenweise Papier in Form von Briefen und Faxen transportiert wurde, wird nun in entsprechenden Handbüchern verarbeitet.

Auf einem weiteren Punkt liegt mein Hauptaugenmerk - Vorteile für meine Franchise-Partner im Einkauf schaffen. Denn nur wenn sie erfolgreich sind und ihren Scheiben-Doktor Betrieb mit Stolz & Freude in den Markt transportieren, partizipieren alle Seiten davon.

2001 erfolgt die Gründung einer Tochterfirma — dem Busscheiben-Großhandel Bus-Glas Express: Dieses Unternehmen ist zwischenzeitlich international in 20 Ländern erfolgreich tätig. Aber auch für den Pkw- und Lkw-Bereich ist es mir durch den Aufbau eines entsprechenden Großhandelslagers gelungen, die Scheiben-Doktoren kostengünstig zu beliefern, so dass diese deutlich bessere Margen verzeichnen und auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihren wirtschaftlichen Erfolg stabilisieren.

Seit 2003 wächst das System kontinuierlich und gesund und hebt sich durch eine konsequente Dienstleistung sowie ein professionelles Marketing von dem weit verbreiteten „Hinterhof-Image“ anderer Anbieter ab.Der Erfolg des Systems basiert dabei auf dem richtigen Zusammenspiel zwischen Unternehmer, Standort und Konzept. Im Ranking der Top 100 Franchise-Systeme des Wirtschaftsmagazins „impulse“ zählt Scheiben-Doktor im Jahr 2007 zu den 30 besten Unternehmen bundesweit.

Für eine aussichtsreiche Zukunft gewinnt die Zusammenarbeit mit Leasing- und Versicherungsgesellschaften zunehmend an Bedeutung. Das machen vor allem zwei Aspekte deutlich. Erstens ist bereits heute rund die Hälfte aller Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr geleast.

Zweitens setzen immer mehr Versicherungen zur Kostenreduzierung auf die Schadensregulierung und -lenkung. Die Versicherungsgesellschaften geben den Fuhrparkbesitzern und Endkunden verbindliche Vorgaben für die in Frage kommenden Autoglasereien. Scheiben-Doktor hat sich Stück für Stück auf diese Struktur eingestellt — eine wiederum angepasste Vertrags- und zentrale Organisationsstruktur gaben den Startschuss für eine erfolgreiche Zukunft der gelben Auto-Glas-Profis vom Scheiben-Doktor.

Jahr

Standorte

1988

1

1991

3

1992

3

1993

4

1994

7

1995

7

1996

8

1997

9

1998

10

1999

11

2000

12

2001

13

2002

13

2003

19

2004

25

2005

36

2006

43

2007

47